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Konzept und Methodologie
Die Übungen sind vier Modulen zugeordnet, die unterschiedliche
thematische Schwerpunkte bedienen. Dies ist aber nur als grobes
Raster zu verstehen, denn es hat sich gezeigt, dass die Themenkomplexe
ineinander greifen.
In diesem Band sind mehr Übungen beschrieben, als in zwei
Tagen zu bewältigen sind. Es ist der Seminarleitung aufgegeben,
hier eine Auswahl zu treffen, die den Anforderungen des Themas wie
auch der Gruppe Rechnung trägt.
Modul I : Einstieg in das Thema
Heimat
Die Teilnehmenden stellen sich anhand von Collagen oder anderer
künstlerischer Ausdrucksmittel unter besonderem Bezug auf den
Begriff Heimat vor. Damit soll bereits während
der Vorstellungsrunde ein Bezug zum Thema hergestellt werden. Die
Auseinandersetzung mit dem Begriff Heimat ermöglicht
ein biografisches Ausloten des Zusammenhangs von eigener Identität
und sozialer bzw. kultureller Umwelt. Dabei wird einerseits die
Vielfalt sichtbar, andererseits lassen sich aber auch Gemeinsamkeiten
erkennen. >>Info
Erwartungen und Fragen an das Seminar
In einer kurzen Kartenabfrage sollen die Erwartungen und Fragen
der Teilnehmenden an das Thema geklärt werden. Das bietet der
Seminarleitung die Möglichkeit, die Inhalte des Seminars entsprechend
zu strukturieren. >>Info
Modul II: Auseinandersetzung mit Sachinformationen zu Zuwanderung
und Integration
Migrations-ABC
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen in der Debatte um Zuwanderung
häufig gebrauchte Begriffe, wie etwa Ausländer oder Migrant,
definieren und kritisch diskutieren. >>Info
Zuwanderungsquiz
Es werden Aussagen zur Zuwanderung in Deutschland vorgelesen. Die
Teilnehmenden positionieren sich auf Feldern mit der Aufschrift
richtig und falsch. Ziel ist die Konfrontation
von eigenen Annahmen (Vorurteilen) mit Fakten. >>Info
Vortrag und Zeitleiste
In einem Kurzvortrag von ca. 30 Minuten wird ein Überblick
über die Geschichte der Zuwanderung seit ca. dem 17. Jahrhundert
gegeben. Es geht hierbei nicht nur um die Vermittlung von Fakten,
sondern vor allem darum, zu verdeutlichen, dass Zuwanderung nicht
erst ein Phänomen der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte
ist. >>Info
Push und Pull
In dieser Übung wird den Teilnehmenden zunächst das Schema
push (Gründe, ein Land zu verlassen) und pull (Gründe,
in ein fremdes Land zu gehen) vorgestellt. Anschließend sollen
die Teilnehmenden reflektieren und darstellen, welche push- und
pull-Faktoren sie für sich selbst als Motivation zur Auswanderung
sehen würden. Dadurch soll vermittelt werden, dass die Motivationen,
aus- bzw. einzuwandern vielfältig sein können und sich
die Gründe für Migration auch bei sich selbst wiederfinden
lassen. >>Info
Migrantenbiografien
Die Teilnehmenden erhalten kurze Biografien von Migranten. In Zweierteams
sollen diese nach push- und pull Faktoren analysiert werden. Die
Auswahl der Migrantenbiografien ist dabei vielfältig. Sie reicht
vom Hugenotten bis zum EU-Einwanderer und Bürgerkriegsflüchtling.
Es soll deutlich werden, wie unterschiedlich die Motivationslagen
der Einwanderer sind. Zugleich wird die Push und Pull-Übung
an das konkrete Erleben einzelner Einwanderer angebunden. Anschließend
besteht die Möglichkeit, die Biografien in die Zeitleiste aus
dem Sachinput (Geschichte der Zuwanderung) einzuordnen. Auf diese
Weise werden historischer Kontext und individuelles Schicksal miteinander
verknüpft. >>Info
Modul III: Werte, Konflikte, Argumente
Fishbowl zum Kopftuchstreit
Die Teilnehmenden werden in zwei Gruppen aufgeteilt und bekommen
Positionspapiere pro und contra über
den Kopftuchstreit. Die Teilnehmenden erhalten zunächst Zeit,
ihre Argumente zu entwickeln und abzuwägen. Anschließend
wird eine Talkshow simuliert, in der die Teilnehmenden ihre Position
so radikal wie möglich vertreten sollen. Mit dieser Übung
sollen sowohl Kerninformationen zu diesem komplexen Thema vermittelt
werden als auch Funktionsweise öffentlicher Meinungsbildung.
Deren Argumentationsstränge können so kritisch reflektiert
werden. >>Info
Standpunkte
Es werden verschiedene Aussagen zu Migration und multikultureller
Gesellschaft vorgelesen. Die Teilnehmenden positionieren sich auf
einer Linie mit den Polen Stimme voll zu und Stimme
gar nicht zu. Anschließend besteht die Möglichkeit,
die eigene Meinung zu erläutern. Diese Übung dient dazu,
sich der eigenen Position bewusst zu werden, diese zu differenzieren
und andere Positionen kennen zu lernen. Anders als im Quiz in Modul
I geht es hier nicht so sehr um Faktenvermittlung als vielmehr um
die eigene Positionierung und deren Begründung. >>Info
Werte und Konflikte
Die Teilnehmenden sollen sich zunächst biografisch mit Situationen
auseinandersetzen, in denen sie in einen Kulturkonflikt
verwickelt waren. Dann entwerfen sie in Kleingruppen Szenen und
führen sich diese gegenseitig vor. Schließlich wird im
Plenum diskutiert, welche Lösungsmöglichkeiten sich ergeben,
was die Vor- und Nachteile sind und welche Rechte möglicherweise
verletzt werden. Ein wichtiges Ziel dieser Übung ist zu klären,
was kulturelle Konflikte überhaupt ausmacht, beziehungsweise
zu zeigen, dass viele Konflikte gar keine kulturellen Konflikte
sind. >>Info
Planspiele Babylon in unserer Stadt
und Die Schülerzeitung
Zielgruppenspezifisch werden zwei Planspiele zum Thema Sprache
und Migration angeboten. Die Teilnehmenden spielen entweder
eine Bürgerversammlung oder eine Redaktionssitzung einer Schülerzeitung.
Es geht darum, die verschiedenen Integrationskonzepte kennen zu
lernen und sich mit der politischen Dimension von Integration auseinander
zu setzen. >>Info
Modul IV: Zuwanderung gestalten
Die ideale Stadt
Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es, zunächst
eine Arbeitsdefinition für Integration zu entwickeln.
In einem nächsten Schritt erhalten sie die Aufgabe, anhand
eines fiktiven Zukunftsszenarios eine Stadt zu entwerfen, die ihrer
Definition von Integration gerecht wird. Mit dieser Übung soll
der Begriff Integration von der konzeptuellen auf die
praktische Ebene übertragen werden und dabei konkrete Konturen
gewinnen. >>Info
Integrationskurse
Mit dem neuen Zuwanderungsgesetz werden der Bund und die Länder
verpflichtet sein, die Integration von Ausländern durch das
Angebot von Integrationskursen zu fördern. Neben dieser Information
erhalten die Teilnehmenden die Aufgabe, Integrationskurse zu gestalten.
Sie sollen sich Gedanken darüber machen, welche Kompetenzen
für eine gelungene Integration notwendig sind und welche Maßnahmen
dafür geeignet wären. Ziel der Übung ist es, die
Komplexität von Integrationsprozessen an Praxisbeispielen zu
verdeutlichen. >>Info
Zu den Übungen
Den Übungen vorangestellt ist zunächst eine kurze Zusammenfassung,
die Intention der Übung und die angewandten Methoden. Dadurch
soll es der Seminarleitung erleichtert werden, die richtige Zusammenstellung
der Übungen zu finden.
Es ist zu beachten, dass alle Beschreibungen das Ergebnis der Erfahrungen
in den Testseminaren sind und daher lediglich Richtwerte sein können.
Es hat sich gezeigt, dass gerade was die Zeit für die verschiedenen
Übungen angeht, erhebliche Anpassungen je nach den Bedürfnissen,
Kompetenzen und Vorerfahrungen der Gruppe vorgenommen werden müssen.
Ebenso richten sich die Diskussionsinhalte nach den Wünschen
der Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Themen, die sich durch
die Methoden herauskristallisierten, waren in den verschiedenen
Seminaren sehr unterschiedlich. Hiermit muss die Seminarleitung
flexibel umgehen.
Die Übungen sind getestet und haben sich mit unterschiedlichen
Zielgruppen bewährt. Sie sind jedoch keine universell gültigen
Rezepte zur Vermittlung des Themas. Oberste Leitschnur bleibt die
professionelle Einschätzung der Seminarleitung. Denn die Auseinandersetzung
mit dem Thema des Zusammenlebens von Einheimischen und
Zuwanderern ist stark geprägt von den eigenen individuellen
Vorerfahrungen und Vorurteilen. Entsprechend muss das Seminar auf
die spezifische Zielgruppe abgestimmt und inhaltlich differenziert
werden. Besonderes Augenmerk sollte bei der Vorbereitung des Seminars
auf eventuell bekannte Empfindlichkeiten in der Gruppe
oder problematische Vorerfahrungen gelegt werden. Bei einigen Übungen
kann es zu Konfrontationen kommen, die nicht intendiert sind und
eventuell sehr belastende Situationen für einzelne Teilnehmende
mit sich bringen. So sollte beispielsweise bei der Arbeit mit Biografien
darauf geachtet werden, dass Flüchtlinge nicht unbedingt Flüchtlingsgeschichten
zur Bearbeitung erhalten, bei den Planspielen nicht gerade Ausländer
die Rolle des Ausländers übernehmen oder bei der Fishbowl
zum Kopftuchstreit, Kopftuch tragende Musliminnen nicht die Rolle
der Verteidigung übernehmen. Es sei denn, sie wünschen
dies.
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