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Vorwort
Demokratie lebt vom Streit, von der Diskussion um den richtigen
Weg. Deshalb gehört zu ihr der Respekt vor der Meinung des
anderen. [Richard von Weizsäcker]
Rechtsextremismus, Totalitarismus und gewaltverherrlichende Ideologien
scheinen immer wieder nicht nur jungen Menschen einen verführerischen
Ausweg aus dem mühseligen demokratischen Ringen
um Kompromisse und Mehrheits-entscheidungen zu bieten. Diese scheinbaren
Alternativen beziehen ihre dunkle Magie von einer natürlichen
Klarheit und suggerieren klare Lösungen für komplexe Probleme.
Demokratie kann dagegen keine einfachen Lösungen bieten - sie
kann kein endgültiges Rezept des Glückes offerieren, sondern
versteht sich als ein Prozess, der nur durch ständige Zweifel
und Nachbesserungsbemühungen am Leben gehalten werden kann.
Es ist gerade diese Eigenart der Demokratie die besondere Anforderungen
an die Bildung stellt.
Die nachhaltigste Form der Bekämpfung von Rechtsextremismus,
Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Gewalt ist deshalb die Schaffung
und Stärkung einer fest verankerten demokratischen Kultur.
Denn hier ist die Essenz der Demokratie zu suchen im täglichen
Miteinander, in der gemeinsamen Verhandlungs- und Konfliktlösungskultur.
Nur wenn hier frühzeitig demokratische Kompetenzen ausgebildet
werden, können wir langfristig unser demokratisches Miteinander
stärken und zerstörerischem Extremismus überzeugend
entgegentreten. Als schwierige Ausgangslage erweist sich hierbei
jedoch der Umstand, dass viele Menschen mit dem Begriff Demokratie
hoch-politische Dinge verbinden.
Politikverdrossenheit wird somit gleichermaßen zu Demokratie-verdrossenheit.
Die Bemühungen gegen rechtsextreme und undemokratische Verhaltens-
und Auseinandersetzungsformen müssen daher mit Maßnahmen
flankiert werden, die ein erweitertes, alltagsrelevantes Demokratieverständnis
vermitteln und fördern.
Die Projekte im Rahmen von entimon setzen an dieser Stärkung
demokratischer Prinzipien bei der Herbeiführung von alltäglichen
Entscheidungen an.
Auch Demokratie Just do it!? möchte ganz
gezielt auf die Demokratie als Lebensform verweisen, diese Lebensform
üben und somit in den alltäglichen Umgang Jugendlicher
und Erwachsener einführen.
Ich würde mich freuen, wenn die vorliegende Dokumentation
über die Entwicklung eines Seminarkonzepts auf ein großes
Interesse stoßen würde und damit später eine Vielzahl
von Menschen in den eigentlichen Seminaren Demokratie- Just
do it?! neue, demokratische Handlungsoptionen in einem Konfliktfall
kennen lernen könnten.
Stefan Rappenglück
(Leiter der Forschungsgruppe Jugend und Europa)
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